Amigu… dingenskirchen

Häkeln kann man eigentlich alles. Nicht nur Kleidung, Accessoires jeglicher Art, Decken, etc. sondern auch kleine Puppen, Tiere oder Gegenstände. Wenn man so kleine Dinge häkelt, nennen die sich Amigurumi. Und natürlich wollte ich auch mal so was machen. Wenn man talentiert ist, dann macht man Dinge wie hannapopana oder dendennis oder Rachel von littleyarnfriends ooooder zaalimdolly. Nur um eine paar Beispiel zu nennen. Einfach bei instagram nach Amigurumi suchen und ihr werden überschwemmt von großartigen Dingen. Weniger talentierte Häkler fabrizieren dann so Sachen wie ich.Grundsätzlich hab ich schon Probleme die Bezeichnung dieser Form der Häkelei korrekt auszusprechen. Und sollte man das nicht können?!?!

„Hui… was machst du denn da?“

„Ich häkle ein Amigumimumudingenskirchen ähmjasoein Häkeltierhaltundjetztgehweg!“

Wie soll man einen da ernst nehmen? Die coolen Häkel-Gangs lachen sich schlapp und verprügeln mich mit Riesenhäkelnadeln. Aber egal.

Am Anfang eines jeden Amigudingens steht der Magic Ring oder auch Fadenring. Kann nicht so schwer sein. Dachte ich. Ich habe mir youtube-Videos angesehen, habe mir bebilderte Anleitungen angeguckt, habe versucht selbst dahinter zu kommen, wie man nun die Magic in einen Ring kriegt. Es endete Anfangs damit dass ich „Ein Ring, sie zu knechten, sie alle zu finden,
 ins Dunkel zu treiben und ewig zu binden“ murmelnd, bei google maps die beste Route zum Schicksalsberg raussuchte, um die Wolle und die Häkelnadeln dem ewigen Feuer zu übergeben. Irgendwann machte es jedoch an irgendeiner Synapse in meinem Gehirn ‚Klick‘ dank dieser Anleitung und ich konnte endlich reinhopsen in die Wunderwelt der Amiguramitildidadadas.

Mein erster Versuch war ein Wolf. Hatte ich in einer Mollie Makes gefunden, fand ich großartig. Ich also ab in den Laden, Wolle gekauft, Augen zum dranmachen und Zeuch um den kleinen Wolf dann auch auszustopfen. Das Ergebnis eher so… nicht so. Die einzelnen Teile, so für sich, sahen ganz gut aus. Zusammengenäht eher wie… na als hätte ich das halt gemacht.

IMG_5804_FotorAber ich ließ mich nicht beirren. Mein Eifer war geweckt und je mehr ich mich mit dem Thema beschäftige, desto mehr fand ich heraus, welch unglaublich coole Dinge man häkeln konnte z.B. das wunderbare, flauschige Einhorn von ICH – Einfach unverbesserlich. Und weil es nunmal so fluffy ist, dass man deswegen auch gern mal tot geht, machte ich mich daran diese Anleitung umzusetzen. Sagen wir es mal so. Wenn das Einhorn nen guten Tag hat und im korrekten Winkel hingestellt wird, dann steht es für ganze fünf Minuten. Ansonsten liegt es immer auf dem falsch platzierten Kopf und … isst… oder schläft. Wer weiß das schon.

IMG_5806_Fotor IMG_5807_Fotor IMG_5808_FotorIrgendwann fand ich eine Anleitung, die sogar ich beherrschte und bei dem der Schwerpunkt der Hintern des Tierchens war. Gut. Ich habe drei von diesen Dingern gemacht und bei allen dreien ist der Kopf ein bisschen schräg drauf genäht, aber man erkannt langsam eine positive Entwicklung in die richtige Richtung.

IMG_5813_FotorNachdem das Thema Amigurumimimi einige Weile ruhte, kramte ich eine Anleitung für ein Schäfchen heraus. Diese flauschige Ding, ich nenne es liebevoll Horst, war zumindest in seiner Rohfassung relativ sinpel. Körper, vier Beinchen, zwei Öhrchen, ein Kopf mit seltsam anmutender Schnauze und ein kleines Schwänzchen. Horst lag nackt und zusammengenäht vor mir und ich war zufrieden mit mir. So musste sich Gott gefühlt haben als Adam und Eva noch nackig durch den Garten Eden gewandelt sind. Nun habe ich bei Häkelanleitungen manchmal das Gefühl, dass der Schreibende ab einem gewissen Zeitpunkt entweder

a) eigentlich keine Lust mehr hat, weil Shopping, Netflixing, Waxing, was auch immering, ist gerade viel geiler als ne Anleitung zu schreiben

b) keinen Platz mehr hatte. „Dörte! Anleitung eine Seite. Bilder vom fertigen Ding mindestens zwei!!!“

c) ein Sadist ist. „Soooo du Häkelluder. Jetzt bist du kurz vorm Ziel. Ich schreibe den Rest so, dass du nur ahnen kannst, wie es weiterzugehen hat. Muhahahahaaa!“

Egal welche Gründe es gibt, vielleicht bin ich auch nur zu doof. Dort stand nun, ich solle, um das Fell zu häkeln, am Kopf beginnend, eine Masche umhäkeln, 8 Luftmaschen machen, eine Masche überspringen und dann wieder eine feste Masche häkeln, usw.

Profis sagen jetzt „Und was ist nun das Problem der Alten? Voll klar.“ Nach mehrmaligem Auftrennen und Neustarten fand ich auch den benötigten Flow, inklusive Krämpfe in den Fingern. Nur hatte der Schreiberling der Anleitung vergessen zu erwähnen, dass das flauschige Fell erst nach zig Runden auch dementsprechend aussieht. Anfangs sieht es nämlich aus wie schlecht angebratenes Hack, dass man noch nicht klein gedingst hat, sondern in seiner natürlichen, durch den Fleischwolf gedrehten Form belassen hatte. Ein kleiner Hinweis „Achtung, sieht Anfangs kacke aus, aber das wird noch.“ hätte mir viel Zeit gespart. Und Nerven. Und Magnesiumtabletten, wegen der krampfenden Finger. So kurz vorm Ziel (Dachte ich. Hahaha! Wieviel Fell man häkeln kann für so ein kleines Tierchen. Faszinierend.) war ich versucht Horst nackt zu lassen. Horst das Nudisten-Schaf. Einfach ein Schild basteln auf dem steht „Das ist ein Schaf. Wer was Anderes behauptet lügt.“ und fertig ist die Laube. Ich überwand mich. Dann sah es halt seltsam aus. Wär ja nicht das erste Mal.

Runde um Runde sah Horsts Fell felliger aus. In regelmäßigen Abständen machte ich Dehnübungen für die Finger. Am unteren Teil Horsts angekommen wagte ich einen Blick auf die restliche Wolle. Ein traurig dreinblickendes Schrumpelknäuel blickte mir entgegen. Der Popo von Horst noch nackt. Aber ich war motiviert. In der Anleitung stand ich bräuchte 100 Gramm dieser Wolle, also brauche ich 100 Gramm. Gut. Laut Anleitung musste ich mir auch 100 Gramm für die dunklen Bestandteile besorgen. Hier hatte ich noch ein unberührtes Knäuel vor mir liegen. Aber was man hat das hat man.

Am frühen Morgen in der U1 auf dem Weg zur Arbeit war es dann so weit. Ich war fertig. Lose Fäden mussten noch vernäht werden aber ansonsten war Horst nun ein vollwertiges Amigurumi-Schaf. Beim Vergleich „Bild im Magazin“ und „Horst auf meinem Tisch“ hatte ich wieder das selbe Gefühl, wie damals als ich dachte, dass mir so eine Leggins in Lederoptik sicher gut stehen würde. Pure Ernüchterung. Es fehlte das Entsetzen.

IMG_5984_Fotor IMG_5985_Fotor IMG_5986_FotorAber ich werde nicht aufgeben. Irgendwann erschaffe ich DAS Amigurumi und ich werden aufsteigen in den Olymp der Häkelüberfreaks. Ihr werdet sehen.

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4 Gedanken zu “Amigu… dingenskirchen

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