Rainbow-Granny-Squares-Flauschokopter-Decke

Zutaten:

  • zu viel Zeit
  • 234 Granny Squares in 9 verschiedenen Farben
  • wirklich zu viel Zeit
  • eine Serie die einem nicht all zu viel Aufmerksamkeit abgewinnt mit ausreichender Anzahl an verfügbaren Staffeln (Profis häkeln während The Walking Dead läuft… crazy)
  • immer genügend Bier/Wein um sich kleine Häkelfehler schön zu saufen
  • genug Platz auf dem Wohnzimmerboden (oder dem Boden eurer Wahl)
  • Kaffee, exorbitant viel Kaffee

Das Renovieren meiner Rumpelkammer muss sich an den Zeitplan der Fenster-Austauschmänner richten. Die Zeit, bis ich mich panisch gegen die herabfallende Tapete werfe, weil die zehnte Lage Farbe wohl doch zu viel war, musste also überbrückt werden. Da die Bracka-Cave mit einem Sofa ausgestattet ist, muss natürlich eine Decke her. IKEA kann jeder. Nach zig Vermessungen der sich in der Wohnung befindlichen Decken standen die Maße fest und das Farbschema nahm Formen an. Na gut. Im ersten Schritt orientierte ich mich bei den Maßen an einem Buch. Erst nach mehrstündigen Grübeleien entdeckte ich, dass hier eine Babydecke gehäkelt wurde. Was soll’s. Kolumbus hat sich auch geirrt und nach dem wurde ein Ei benannt. Kann vorkommen. Und woher soll ich bitte die Maße einer handelsüblichen Decke im Kopf haben?

Als Anleitung hatte ich folgenden Blogeintrag. Als alles geplant war, gings ans Wolle kaufen. Ich habe oft genug die Erfahrung gemacht, dass man beim Einkauf von Wolle gerne auch mal das Schreiben des Kreditinstituts vorlegen muss, dass man kreditwürdig ist. Oder bei Nichtbegleichen der Schulden die Seele an den Teufel abtreten muss. Oder vorher nen Kredit aufnehmen darf. Wie positiv überrascht ich doch war, dass ich unter hundert Euro lag. Natürlich waren in dem Laden nicht alle Farben in gewünschter Ausführung vorhanden. Nieder mit dem Einzelhandel mit den netten Damen an der Kasse. Onlineshopping! Oh Mist, Betriebsferien. Da ich nen riesen Haufen an Wolle vor mir liegen hatte, konnte ich die Wartezeit jedoch gut überbrücken. Mit häkeln. Ich häkelte. Immer. Überall. Morgens in der Bahn, im Büro, angetrunken auf dem Rückweg nach Hause. In der Zeitrechnung vGSD (vor Granny Squares-Decke) saß ich mit Schnappatmung in der Bahn wenn ich mein Handy oder das aktuell gesuchtete Buch vergessen hatte. Jetzt wurden panische Nachrichten verfasst wenn ich mein Häkelzeug vergessen hatte. In meinem Kopf war ich nun bis Ende des Jahres beschäftigt. Aber weil ich nicht alle Latten am Zaun habe und mich auch mal gerne einen gesamten Sonntag im Wohnzimmer parkte um bunte kleine Quadrate zu produzieren, war ich in 4 Wochen fertig. (Wirklich den GESAMTEN Sonntag. Von 9 Uhr Morgens bis 23 Uhr Abends, nur unterbrochen von Pinkel-Rauch-Kaffeekoch-Phasen. Nach so vielen Folgen Dr. House am Stück konnte ich bald sehr gut einschätzen ab welchem Zeitpunkt der Diagnostik die Lumbalpunktion an der Reihe war.)

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Quadrate auf dem Boden verteilen, ausgeklügeltes System ausgedacht um den ganzen Mumpitz auch wieder in dieser Reihenfolge zusammenzufügen, nähen.

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Mit ner Nadel. Zuerst entstanden lange Lappen. Liebevoll mit Gummiband vertüddelt wurden diese gestapelt. Und dann gings an die endgültige Zusammensetzung. Anfangs dachte ich, dass weiß ne super Farbe wäre um alle Streifen zu verbinden. Ist sie nicht. Zumindest wenn man so ein Noob wie ich ist. Man sah die Nähte. Gut. Erster Versuch. Dann ist das unten. Sieht man dann nicht. Ich durfte also je Ommafetzen-Paar einen neuen Faden beginnen. Ich wunderte mich, dass ich nicht irgendwann wie eine Katze würgend ein kleines Wollknäuel ausspuckte, bei diesem ganzen Fadenabgelutsche und -angelecke. Die Decke wurde schwerer, sah immer mehr wie eine Decke aus und eigentlich hatte ich nach det Hälfte keine Lust mehr. Endlich verstand ich warum meine Muttet kistenweise halbvollendete Großprojekte in Kisten und Tüten bunkerte. Zu Anfang ist da diese Euphorie des Neuen. Glückshormone pulsieren durch den Körper. Man ist motiviert und lobt sich selbst, weil man sich an so was Großes wagt. Man lernt Neues und kriegt nen kleinen Freude-Kick oben drauf, wenn man irgendwann nicht mehr alle 10 Sekunden auf die Anleitung schielen muss. Dann wird es Routine. Wie das Haarekämmen nach dem Duschen. Man machts halt. Weil mans immer macht. Wie einstudiert kommt man Abends nach Hause, Netflix an, Jeans aus, Pyjama-Hose an, Deckenfragment auf den Schoß und ab dafür. „Dr. House, die nächste Diagnose bitte.“ Näh, stick, anlutsch, abschnippel, vernäh, zuppel, zieh… fertig.

Als ich die kleinen Scheisserchen häkelte, sahen diese relativ quadratisch aus. Ob es nun an meiner Nähtechnik oder an der Art des Häkelns lag kann ich nicht sagen, ich weiß nur, dass meine Decke Nippel hatte. Zwar fügte sich alles brav zusammen, legte man das Prachtding aber hin zog es die Mitte jedes Quadrats gen Himmel. Ich dämpfte, bügelte, war denen egal. Da ich nichts habe auf das ich so was Großes spannen könnte beschloss ich mit meiner Decke einfach Teil der #NippelGegenNazis-Bewegung zu sein. Auch im DIY-Bereich kann man mal ein Statement abgeben.

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Abschließend häkelte ich hektisch dreimal in weiß drumherum. Es stellte sich dabei heraus, dass der Rand wellig war. Also jedesmal wenn zwei Granny Squares aufeinander trafen war da so, ja Dings, ne Einbuchtung(?),… war es halt nicht gerade! Beschloss für mich, dass das so soll, weiß ja keiner. Dekorativer Nebeneffekt. Und als der letzte Faden vernäht war, war ich endlich fertig. Und, alter Lachs, ist die Decke schwer. Richtig praktisch eigentlich. Sobald ich es schaffe die Decke auf mich zu wuchten kann ich nicht vom Sofa fallen. Zusätzlich muss ich dann bedient werden. „Ich kann mir keinen Kaffee holen, ich sitze unter der Decke.“ Hübsch und praktisch. Zwischenzeitlich waren die Fensteraustauschmänner da. Bis auf das Ausräumen der Billy-Regale ist jedoch noch nicht viel passiert in meinem Zimmer. Wir dürfen gespannt sein ob es dieses Jahr noch eine Bracka-Cave-Einweihungsparty geben wird.

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2 Gedanken zu “ Rainbow-Granny-Squares-Flauschokopter-Decke

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