Schlüpper (Part 1)

Wer sich via Internet mit dem Thema Nähen beschäftigt kommt um pattydoo nicht rum. Nicht nur, dass die ursympatische Berlinerin einem mit einem Baukastensystem die Möglichkeit bietet, eigene Schnittmuster zu erstellen. Sie erklärt einem auch in Videos wie man näht. Und das so, dass sogar ich es verstehe. Nennt es Zufall, göttliche Fügung… vor einigen Wochen trafen „wunderschöner geschenkter Jersey-Stoff“ auf „Guck mal, ein Video wie man Unterbuxen näht.“ aufeinander. Natürlich schob ich das Projekt. Zwar ist die Anleitung großartig, die Bestandteile weder zu groß (Projekt „flauschige Patchworkdecke“ das ausartete in „WO SOLL ICH DEN VERDAMMTEN STOFF DEN NOCH HINSCHIEBEN???“) noch zu klein (Pilletui-Nähversuche). Aber der Part mit dem Gummi. Es rutscht mir ja schon gerne die Hose in Richtung Kimme. Das muss ja nicht auch bei der Unterwäsche passieren.

Aber ich wagte mich ran. Live-Ticker total unlive aber mit echten Zeitangaben ab JETZT:

13:21 Uhr

Bin leicht verkatert und sehr müde. Der perfekte Zeitpunkt also um einen Schlüpper zu nähen. Setze mich mit Kaffee, Kippen, Schere und Schnittmuster in meine Küche. Um die Stimmung ein bisschen aufzuhellen zünde ich eine grüne IKEA-Duftkerze an. Spontane Übelkeit setzt ein.

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13:26 Uhr

Erste Häh?-Momente. Worte wie Saumzugabe, Fadenlauf und Nahtzugabe (na gut, Nahtzugabe sagt mir was, aber nur zwei Worte sähen doof aus und dann würde der Teil jetzt wenig Sinn machen.) klopfen an meine Kleinhirnrinde. Rede mir ein, dass sich das alles bestimmt von selbst erklären wird. Erstmal Kippenpause. Hab ja schon den Zwickel aus Papier ausgeschnitten.

13:35 Uhr

Uh. Neues Wort. Bundzugabe. Klebe Papierfetzen mit Tesa zusammen die aussehen wie ne Unterhose. Vielleicht sollte ich doch lieber schlafen gehen.

13:46 Uhr

Schon jetzt keine Lust mehr. Es wurde bis jetzt noch kein bisschen Stoff angefasst und ich hab schon die Schnauze voll. Nähen soll ja entspannen. Mein Ruhepuls entspricht gerade eher dem eines Marathonläufers. Während er einen Marathon läuft. Lenke mich mit Voice-Messages nach Australien und Videos von Jan Philipp Zymny ab.

13:55 Uhr

Verpimmel weitere Zeit bei Facebook um den Moment des Stoffzuschneidens hinauszuzögern. Irgendwo in Passau wurde eingebrochen. Interessant. Nur noch 22% Akku. Erstmal eine rauchen.

14:11 Uhr

Ich habe mich aufgerafft in mein Zimmer zu schlurfen. Dort wurde dann der benötigte Stoff zigmal gefaltet um dann festzustellen, dass ich keine Ahnung habe was die junge Frau mit Fadenlauf meint und ich dann beschließe, dass es mir egal ist. ANARCHIE!!!! Gucke den Zettel an auf dem Zwickel steht. Denke an Bier. Ein kleines Unwohlsein überkommt mich.

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14:21 Uhr

Versuche, wie ich denke, dass es ein Profi macht, die Unterpinten-Teile zuzuschneiden. Mit Papier mit Nadeln festmachen und dann da locker-lässig drumrumschneiden. Eigentlich bin ich nur zu faul zum Anzeichnen. Ergebnis sieht krumm aus. Na dann zwickt das Höschen halt ein bisschen. Tun die von H&M auch manchmal.

14:28 Uhr

Man könnte erahnen was das werden soll. Lege mich für ein einen 10-Sekunden-Powernap auf den Haufen Zuschnittreste.

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14:51 Uhr

Der Anfang sieht schon mal gar nicht so richtig aus. Mir fällt auf, dass in dem Video sehr oft das Wort „einfach“ fällt. Spiele mit dem Gedanken das Projekt zu den Akten zu legen und nie wieder darüber ein Wort zu verlieren. In meiner Verzweiflung suche ich sogar die Anleitung der Nähmaschine raus um zu verstehen warum sie tut was sie tut. Brauche ganz dringend einen weiteren Kaffee.

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10 Sekunden später

Handy-Akku leer. Muss warten bis das Ding wieder ansprechbar ist. Da mein Kurzzeitgedächtnis das einer Fliege sehr ähnelt, muss das Anleitungsvideo ständig zurückgespult werden. Es kann nunmal nicht jeder das schärfste Messer im Blog (Wortspiel!!!!!!) sein.

14:58 Uhr

Versuche durch stoisches Starren das Ladekabel dazu zu bewegen sich zu verlängern um von der Steckdose bis zum Tisch zu reichen. Das Ladekabel ist unbeeindruckt. Drohe mit Gewalt. Keine Reaktion. Ich husche also hektisch von Fensterbrett zu Tisch, von Tisch zu Fensterbrett und so weiter und so weiter und so weiter… nie wieder Alkohol und immer mindestens 8 Stunden Schlaf.

15:20 Uhr

Trotz mehrmaliger Wiederholungen habe ich es wirklich geschafft die Teile verkehrt herum zusammen zu nähen. Idioten-Highfive! Sehne mich nach einem Schuss Rum in meinen Kaffee. Oder leckerer Kaffeelikör. Im Kühlschrank nur Weißwein. Ob das wohl schmeckt….

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15:56 Uhr

Nachdem ich es geschafft habe das/den/die Gummi wieder einmal falsch herum anznähen und ich zornesrot dreifach gedingste Nähte wieder auftrennen darf, ernenne ich den heutigen Nähtag für beendet. Die fröhliche Musik des Videos macht mich aggressiv und mein linkes Auge fängt verdächtig an zu zucken.

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… to be continued

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Ein Gedanke zu “Schlüpper (Part 1)

  1. Jetzt auf „gefällt mir“ zu klicken, fänd ich irgendwie seltsam… Aber der Artikel ist wie immer super geschrieben und unterhaltsam 😀 Und ich hätte wahrscheinlich schon nach dem ersten falsch annähen das Zeug in den Müll geworfen! Meine Frustrationsgrenze ist da nicht ganz so hoch 😉
    LG Claudia

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