Fransige Hipsterdreiecke an Wutausbruch

Lack ist nicht mein Material. Nicht bei Holz und auch nicht bei den eigenen Nägeln. Ich bin zu ungeduldig und entweder ich verwende davon zu viel oder zu wenig. Während der letzten Renovierungsarbeiten wurde ich dazu verdammt die Fußleisten und gesamte Türen zu lackieren. Ich hasste es. Daher ist es doch mehr als naheliegend, dass ich mir eine kleine Holzkommode kaufe und versuche diese mit Lack in neuem Licht erstrahlen zu lassen. Ich sammelte haufenweise Ideen. Weil einfach nur in einer Farbe ist ja was für DIY-Babys. Das dieses Projekt nicht mal eben so in ein paar Stunden durch ist, hätte man mir auch mal sagen können. Denn Lack hat die Angewohnheit nicht sofort zu trocknen. Intensives Pusten hilft auch nicht. Es folgt das Tagebuch des Lackier-Grauens.

Tag 1:

Ich bin hochmotiviert. Weißer Lack wurde aus dem Keller geholt, pinker Lack, Schleifpapier und Pinsel im Baumarkt gekauft. Zusammen mit dem Herrn des Hauses und den Beatsteaks wurde grundiert. Einmal der Korpus und dann die Front der Fächer. Schon hier die ersten Patzer. Nachdem ich der Lackdose die Info entnahm, dass dieser erstmal 24 Stunden trocknen müsste, wurde alles im Wohnzimmer geparkt und gewartet.

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Tag 2:

So ein Tag Warten führt dazu, dass man größenwahnsinnig wird oder zumindest meint super Ideen zu haben. Meine war es, auch die Innenwände der Fächer zu lackieren und die Böden mit selbstklebendem Stoff zu verschönern. Also wieder lackieren und dann ausmessen und ausschneiden. Ich hatte hier dazu gelernt, weswegen ich auch wirklich die Maße der Innenfläche nahm. Dachte ich zumindest. Aber erstmal wieder warten. Schon jetzt war ich nicht mehr ganz so überzeugt von meiner Idee.

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Tag 3:

Durch meine erneute Lackierei hatte ich mir einige dekorative Nasen in die Front gerotzt. Was mir natürlich erst auffiel als alles schon getrocknet war. Beim ersten Testkleben des Stoffes wurde dann festgestellt, dass die kleinen zugeschnittenen Rechtecke zu klein sind. Aber heyyyy… eigentlich sieht man das doch sowieso nicht. Nun gings ans Abkleben. Ich entschied mich für einfache Dreiecke. Das sollte ja wohl machbar sein. Und weil nur pink langweilig ist, sollte jede Reihe von links nach rechts ein bisschen heller werden. Plastikbecher geschnappt, Farbe angerührt und losgepinselt. Und natürlich habe ich es geschafft, die Farbe unter das Klebeband zu schmieren. Und neben das Klebeband. Ich glaube das Klebeband hatte ich eigentlich nur angebracht um so zu tun als hätte ich Ahnung von dem was ich da fabriziere. In einem kurzen Anfall von „was geht mir das langsam auf den Piss, ich kratz den Mist gleich mit den bloßen Fingernägeln wieder ab“, redete ich mir ein, dass es fast so aussähe wie gewollt. Tat es nicht. Aber das wusste ich zu dem Zeitpunkt noch nicht, denn ich durfte wieder… warten.

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Tag 4:

Erneutes Abkleben, erneutes Pinseln um meine Fehler auszumerzen. Scharfe Kanten sollten es werden. In der Theorie. Endergebnis. AIMG_5556_Fotorusgefranste Kanten. Ich könnte jetzt noch tagelang abwechselnd versuchen die Kanten zu begradigen, vielleicht ist der Lerneffekt irgendwann da , aber dann habe ich am Schluss nur noch ein schwindend kleines Dreieck… auf der Rückseite der Fächer.

Ansonsten sieht es auch als Gesamtobjekt total töfte aus. Vollgeschmierte Seitenwände der einzelnen Fächer, Fächerböden, die nur zum Teil mit Stoff beklebt sind, weil ich beim Messen wohl in einer anderen Sphäre schwebte, in der Maßeinheiten nur eine joa-kann-man-machen-aber-muss-man-jetzt-auch-nicht-Richtlinie sind.  Aber zumindest wurde die Farbabstufung so, wie ich mir das vorgestellt hatte.

Um mich selbst zu quälen, scrollte ich nochmal durch die von mir gesammelten pinterest-Ideen. Guckte mitleidig auf das von mir fabrizierte Exemplar und verzog mich bockig auf das Sofa um HANNIBAL zu gucken und zu häkeln. Endlich normale Leute, die sich nicht mit so was Krankem, wie dem Bemalen eines IKEA-Möbelstücks beschäftigen.

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3 Gedanken zu “Fransige Hipsterdreiecke an Wutausbruch

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