Ommafetzen (Granny Squares)

Das Internet. Wundervolle Sache. Nicht nur für Fans von MILFs oder herzerweichenden Katzenvideos. Es ist voll mit Blogs auf denen es sich ums Selbermachen dreht (NEIN! Nicht die Sache mit den MILFs!!!). Es wird im Internet gebastelt, geschraubt, geklebt, gehäkelt und genäht.

Eines Tages stolperte ich über Danielas Blog. Dort ging es ums Häkeln. Insbesondere um das Häkeln von Granny Squares (hier, hier und auch hier).

Das Prinzip der Omma Plätzchen ist relativ simpel erklärt. Man häkelt meist kleine Quadrate, in vielen verschiedenen Farben, um sie dann irgendwann in mühevoller Kleinarbeit zum gewünschten Endprodukt zusammenzunähen. Mit der Hand. Klingt voll schön. Man kann damit einfach alles umhäkeln.

Mein erstes Herantasten, wie so oft, eine Katastrophe. Zuerst das obligatorisch Buch. In dem Buch gibt es kleine Projekte, für den Anfang, wie Tassenwärmer oder Handytäschchen, aber mit all dem konnte ich nichts anfangen, weswegen ich mich an das Projekt „Traumhafte Tagesdecke“ wagte. Diese bestand aus insgesamt 266 Granny Squares und sollte schlussendlich ca. 1,40 m x 2 m groß werden. Als ich ca. die Hälfte der kleinen Quadrate fertig hatte, wurde mir bewusst, dass sich diese Decke nicht von alleine zusammenfügen würde. Ich sah mich vor mir, mit blutenden Fingern, wimmernd, in einer Ecke kauernd, während ich Wollknäuel aushustete, weil ich beim Anlecken der Fadenenden schon so viel davon geschluckt hatte. Es endete darin, dass ich das Projekt einstampfte und das Buch verbannt wurde.

Als ich letztens Freunde einlud, mir Input für mögliche neue Handarbeiten zu geben, landete einer der Post-its auf einem Granny Squares-Kissen. Diesmal wollte ich es mit ihm aufnehmen. Wie Batman, wollte ich meinem Erzfeind Joker endlich in die Augen blicken um zu sehen, dass ich ihn endlich bezwungen hätte.

Relativ IMG_5355_Fotorzügig hatte ich 32 von diesen kleinen Sechsecken gehäkelt. Aber ich hatte das Gefühl, dass dies nur die Spitze des Eisbergs war. Wenn ich ganz still war, konnte ich den immer größer werdenden Stapel der fransigen Fetzen hämisch und diabolisch kichern hören. Und schnell erkannte ich, dass das Häkeln alleine der Hippie-wir-entspannen-uns-beim-gegenseitig-an-den-Händen-halten-Teil war. Nun begann der Krieg.

Fäden. Lose Fäden. Fünf Farben, je Farbe, je Sechseck gab es zwei lose Fäden je Farbe. Insgesamt also 320 angesabberte Fäden, die verknotet werden wollten.

Nach ca. 10 Folgen Criminal Minds und fünf Liter Kaffee lagen sie irgendwann sauber verknotet und verzurrt vor mir.

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Nun musste aus diesen einzelnen Teufelsdingern nur noch ein Kissen gedängelt werden. Ich versuchte es zuerst mit unkonventionellen Methoden. Ich bettelte, schrie, warf sie in die Luft, nichts half. Auch als ich mich vor ihnen aufbaute und brüllte „Bei der Macht von Grayskull.“, nichts. „Winter is coming.“, murmelnd setzte ich mich auf die Couch und fing an zu nähen. Ich hätte es zwar nicht erwartet, aber das war so viel einfacher als das versäubern der Ommafetzen. Innerhalb weniger Stunden, einigem Auftrennen (so ein Ding hat ein vorne und hinten und naja… manchmal im Eifer des Gefechts…) hatte ich ein fertiges Kissen. Fuck yeah!

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Staffel 9 von Criminal Minds hatte ich durch und auch das Kissen war endlich vollendet. Zwar sollte man das Kissen ganz vernähen d.h. Kissen rein und Klappe zu. Da ich es sinnvoll finde Dinge auch ab und zu mal zu waschen, entschied ich mich für Knöpfe.

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Man konnte, wenn man ganz genau hinhörte, das Wimmern der kleinen Sechsecke hören. Ich hatte sie bezwungen. Animalisch trommelte ich mir auf die Brust und stieß Brunftschreie aus. Zufrieden verglich ich das Bild in der Zeitschrift mit dem, was ich dort vor mir liegen hatte. Ich bin zufrieden.

Als Tipp konnte man dort lesen, wenn man Gefallen an dem Muster gefunden hätte, könnte man doch auch eine Decke daraus häkeln. Mit zuckender Oberlippe riss ich diese Seite aus dem Magazin und verarbeite sie zu Konfetti.

(Kissen gefunden in der D.I.Y. – Do it yourself – Das Kreativmagazin – Nr. 3/2015)

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