Verstrickt und zugeknotet

Stricken lernte ich in der Grundschule. Bzw. war das bis dato meine einzige Strickerfahrung. Denn diese war traumatisch.

Als wäre es erst gestern gewesen, kann ich mich an das unglaublich hässliche, petrolfarbene Stirnband erinnern, dass ich am Ende dieser monatelangen Qualen in meinen kleinen Händen hielt und nie meine Ohren wärmen sollte. Der Rest der Klasse hatte wunderschöne Exemplare vor sich liegen. Nicht, weil sie alle so viel begabter waren als ich. Sie hatten übereifrige Mütter, die es nicht ertrugen was ihre Sprösslinge da verkrampft versuchten zusammenzuquietschen (Nur eine sehr feste Masche ist eine gute Masche!). Alles was Sabine, Mathias und Co. in den quälenden 90 Minuten in der Schule mühevoll fabriziert hatten, wurde im heimischen Wohnzimmer haarklein wieder aufgetrennt und in schön gemacht. Inklusive dem Stückchen, dass wir als Hausaufgabe zu erledigen hatten. Nicht meine Mutter. Sie konnte stricken. Aber sie sah es einfach nicht ein meine Hausaufgaben zu erledigen. In hasserfüllten Stunden verfluchte ich ihr Gerechtigkeitsempfinden, dass in meinen Augen absolut ungerecht war. Irgendwann gab es Noten für die Muttis der Anderen und ich hatte meine selbst erstrickte 3. In schwachen Momenten wollte ich meine Mutter sicher mit dem Stirnband strangulieren.

Seit dieser Erfahrung hatte ich einen großen Bogen um Stricknadeln gemacht. Oft versuchte meine Mutter mich zu motivieren. Zeigte mir altbackene Zeitschriften, in denen doch soooo schöne Westen seien, die ich für mich machen könnte. Ich wollte keine selbstgestrickten Westen. Ich wollte Buffalos und einen Original Chiemsee-Pulli und nicht den Mist aus Tschechien.

Seit ich in Hamburg lebe, fing ich öfter an strickende Menschen in der Bahn anzustarren. Ich wollte das auch können. Dies beruhigende Klackern der Nadeln, hatte etwas Meditatives und strahlte für mich eine unglaubliche Souveränität aus.

Als Häkeln keine große Herausforderung mehr darstellte, nahm ich all meinen Mut zusammen und erwarb ein dickes Buch über das Stricken, schob zweimal die Anschlagsmaschen von einer Nadel auf die andere, ohne das diese mehr wurden… genervt stellte ich das Buch wieder ins Regal und guckte stattdessen lieber einige Folgen Orange is the new Black.

Aber manchmal, da entwickle sogar ich so etwas wie Ehrgeiz. Und 2015 sollte zu dem Jahr werden, in dem ich lerne wie man strickt. Als mir eine Arbeitskollegin endlich verständlich erklärte, wie man aus einer Anfangsmasche weitere Maschen herauskitzeln kann, youtube hatte hierbei total versagt, startete das Projekt Loopschal. Und so unter uns. Im Hochsommer Wolle für einen Winterschal zu finden… im Einzelhandel… tricky. Nachdem ich die dickste Wolle einpackte, die der Laden zu bieten hatte und welche kein Vermögen kostete, gings los.

Das erste Knäuel verstrickte ich ca. 4mal. Nein, nicht weil ich zaubern kann. Nur reichen meine Kenntnisse derzeit nur für „Juhu… es wird mehr.“ Sobald sich einer der Maschen-Mistdinger von der schlüpfrigen Nadel windet, muss ich alles wieder auftrennen. Als das zweite Knäuel angebrochen war, habe ich das mit dem Auftrennen gelassen und bin dahin übergegangen alles was lose rumbaumelte, weil es sich wohl nicht mehr einfügen wollte, stumpf zu verknoten.

IMG_5329Wird ein Loopschal. Sieht man am Ende sowieso nicht mehr. Leider führten die regelmäßigen Maschenverluste auch dazu, dass mein Schal plötzlich schmaler wurde. Ja und wenn man sich die Randmaschen anguckt… so wirklich richtig sieht das auch nicht aus, wie die lustlos rumhängen.Und da hilft auch kein noch so festes Ziehen…

IMG_5330Aber das sieht man alles nicht mehr, weil wird ja ein Loopschal (Mein Strick-Mantra). Bisher bin ich bei knapp über der Hälfte. Man darf gespannt sein, wie schmal, löchrig und verknotet das Ding am Schluss sein wird. Bis dahin sollte ich nur noch gelernt haben wie man abmascht. Ach und wenn nicht, Knoten kann ich langsam richtig gut.

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Was ich da gemacht habe… keine Ahnung.

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2 Gedanken zu “Verstrickt und zugeknotet

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